Die Digitalisierung im Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren einen beschleunigten Aufschwung genommen – und Österreich ist dabei nicht nur ein Beobachter, sondern ein Vorreiter. Seit 2016 hat das Land mit dem Nationalen Gesundheitsdatennetz (NGDN) eine der ambitioniertesten Strategien Europas umgesetzt, um digitale Lösungen für Arztpraxen, Krankenhäuser und die Bevölkerung zu etablieren. Doch während die Technologie immer zugänglicher wird, bleibt die Umsetzung oft mit Bürokratie und Akzeptanzproblemen kämpfen. Wie gelingt es dem Land, die Vorteile der Digitalisierung für die Bevölkerung zu nutzen, ohne die vertraute Arzt-Patienten-Beziehung zu gefährden?
Digitalisierung als Hebel für bessere Versorgung
Der NGDN verbindet elektronische Patientenakten (ePA), digitale Rezeptsysteme und telemedizinische Angebote zu einem flächendeckenden Netzwerk. Laut Daten des Gesundheitsministeriums nutzen bereits über 80 % der österreichischen Ärzte die ePA, und seit 2022 ist die digitale Abrechnung von Rezepten Pflicht. Besonders bemerkenswert ist die Integration der Digitalen Gesundheitskarte (DGK), die seit 2020 für die elektronische Abrechnung von Medikamenten und die Übermittlung von Laborwerten genutzt wird. Doch während die Technologie voranschreitet, zeigt sich, dass viele Bürger:innen – besonders ältere Generationen – noch immer Skepsis gegenüber digitalen Lösungen hegen. Studien des Statistikamtes Österreich belegen, dass nur etwa 60 % der Bevölkerung regelmäßig digitale Gesundheitsanwendungen nutzen, während 30 % aus Angst vor Datenschutz oder Komplexität zurückhaltend bleiben.
Ein konkretes Beispiel ist die telemedizinische Beratung: Seit der Pandemie hat sich die Nachfrage nach Online-Terminen verdoppelt. Doch während Praxen wie die Wiener Allgemeinmedizinerin Dr. Maria Bauer zeigen, wie effizient digitale Diagnostik und Follow-ups funktionieren können, scheitern viele Projekte an der mangelnden Infrastruktur in ländlichen Regionen. Hier setzt das Programm „Digitaler Gesundheitsstandort“ an, das mit Fördergeldern bis zu 100.000 Euro pro Praxis unterstützt, um digitale Geräte wie EHR-Systeme oder Video-Consults einzuführen. Doch die Umsetzung bleibt oft auf die Bereitschaft der Ärzt:innen angewiesen – und nicht alle sind bereit, sich in neue Prozesse einzuarbeiten.
Datenschutz und Akzeptanz: Die größten Hürden
Ein zentrales Thema bleibt der Datenschutz. Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und die österreichischen Datenschutzgesetze verschärfen die Anforderungen an sichere Speicherung und Übertragung von Gesundheitsdaten. Doch während die Technologie immer besser geschützt ist, gibt es weiterhin Bedenken bei Patient:innen. Eine Umfrage des Österreichischen Gesundheitsforums ergab, dass 45 % der Befragten Angst vor Missbrauch ihrer Daten haben – besonders bei Apps wie „MyHealth“ oder Telemedizin-Plattformen. Hier könnte eine stärkere Aufklärung über die Sicherheitsstandards und die Rolle der Datenschutzbeauftragten helfen. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Bürger:innen die Vorteile unterschätzen: Eine Studie der Universität Graz belegt, dass digitale Gesundheitsdaten zu schnelleren Diagnosen und weniger Fehldiagnosen führen können, doch nur 25 % der Befragten nutzen diese Möglichkeiten regelmäßig.
- Seit 2022 sind über 80 % der österreichischen Ärzte mit der elektronischen Patientenakte (ePA) vertraut.
- Die digitale Gesundheitskarte (DGK) ermöglicht seit 2020 die elektronische Abrechnung von Medikamenten und Laborwerten.
- Die Nachfrage nach telemedizinischen Terminen stieg seit der Pandemie um über 100 %.
- Nur etwa 60 % der österreichischen Bevölkerung nutzen digitale Gesundheitsanwendungen regelmäßig.
- Das Programm „Digitaler Gesundheitsstandort“ fördert digitale Infrastruktur in Praxen mit bis zu 100.000 Euro.
Ein weiteres Problem ist die digitale Kluft zwischen Stadt und Land. Während Wien und die Großraume mit guten Internetverbindungen und digitalen Gesundheitszentren ausgestattet sind, kämpfen viele ländliche Regionen mit schlechterer Infrastruktur. Hier setzt das Projekt „Digital Health 4 All“ an, das mit Partnern wie der Telekom und der ÖBB nachhaltige Lösungen sucht, um auch in abgelegenen Gebieten Zugang zu digitalen Gesundheitsdaten zu ermöglichen. Doch selbst wenn die Technik voranschreitet, bleibt die Akzeptanz ein entscheidender Faktor. Eine Studie des Gesundheitsministeriums zeigt, dass nur 35 % der Patient:innen bereit sind, ihre Daten an digitale Systeme zu übertragen, wenn sie keine klare Vorteile sehen.
Die Zukunft der Digitalisierung im Gesundheitswesen
Die Digitalisierung wird in Österreich weiter voranschreiten – doch der Weg ist lang. Während die Technologie immer zugänglicher wird, müssen Politik, Ärzt:innen und Patient:innen gemeinsam Lösungen finden, um die Vorteile zu nutzen, ohne die Vertrauensbasis zu gefährden. Ein zentraler Ansatz ist die Stärkung der digitalen Kompetenz der Ärzt:innen, etwa durch Fortbildungen zu EHR-Systemen oder Telemedizin. Gleichzeitig muss die Bevölkerung besser über die Vorteile informiert werden, etwa durch Kampagnen wie „Digital Health – einfach besser versorgt“. Auch die Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen wird immer wichtiger: Während Start-ups wie „DocDoc“ oder „Medisana“ innovative Lösungen anbieten, muss die Regierung sicherstellen, dass diese auch den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Digitaler Arztbesuch“, das in Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse entwickelt wird. Ziel ist es, dass Patient:innen künftig ohne Wartezeit online einen Arzttermin vereinbaren können – und nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch in ländlichen Gebieten. Doch hier zeigt sich, dass die Umsetzung oft an der mangelnden Akzeptanz der Ärzt:innen scheitert. Während einige Praxen die digitalen Tools als Zeitersparnis schätzen, gibt es auch Skeptiker, die Bedenken wegen der Datensicherheit oder der Komplexität haben. Hier könnte eine stärkere Anreizstruktur helfen, etwa durch Steuervergünstigungen für Praxen, die sich digitalisieren.
Insgesamt zeigt sich: Österreich hat mit dem NGDN eine der ambitioniertesten Digitalisierungsstrategien Europas – doch der Weg ist noch lang. Während die Technologie immer besser wird, müssen Politik, Ärzt:innen und Patient:innen gemeinsam daran arbeiten, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen, ohne die Vertrauensbasis zu gefährden. https://national.national1.at könnte als Plattform dienen, um aktuelle Entwicklungen zu dokumentieren und die Diskussion zu vertiefen – doch auch hier bleibt die Akzeptanz der Bevölkerung entscheidend.